Verfasst von: mirarossignol | 20. Mai 2010

Genève culturelle

Im Sommer, wenn die Tage wärmer und länger werden, füllen sich die Straßen von Genf mit Leben. Die Straßencafés sind voll besetzt und fast jedes Wochenende gibt es eine Open-Air-Veranstaltung. Viele davon sind kostenlos und somit ein idealer Anziehungspunkt für arme Studenten und all die anderen Bewohner der Stadt, die keine fettern schweizer Gehälter beziehen. Im Rahmen „La ville est á vous“ hat jedes Viertel sein eigenes Straßenfest mit Live-Musik, Film, Tanz, Straßenständen und Trödelmarkt. Am letzten Wochenende fand die Veranstaltung im Künsterviertel „Les Grottes“ statt.

Dort verkriechen sich als die schrägen Gestalten, die man auf den Straßen sonst nur spärlich sieht. Aber an diesen Wochenende kamen sie alle vor die Tür, um gemeinsam zu feiern. Ihre alternative Einstellung ist schon an ihren Häuserschmuck zu erkennen:

oder an der rebelllischen Jugend, im folgenden Bild repräsentiert durch eine coole Metall-Band mit Blockflötist, der dennoch voller stolz sein blondes Haar schütteln konnte:

Verfasst von: mirarossignol | 5. Mai 2010

Genève alternative

Nach meinen Heimaturlaub reichlich erschöpft verbrachte ich den Rest der Woche mit langsamer Relaxation und freute mich schon auf ein geruhsames Wochenende, um den verpassten Schlaf nachholen zu können. Doch am Freitagmorgen änderten sich meine Aussichten schlagartig, als ich eine Sms von Andreas aus Avignon erhielt, in den er seinen Besuch noch am gleichen Abend ankündigte. Eine Nachricht, die mich stark verwirrt. Zwar hatte er mir schon vorher von seiner geplanten Europareise erzählt, doch hatte ich ihn erst am Anfang Juni hier in Genf erwartet. Wie ich später erfuhr, hatte es einige Datenverwirrung gegeben, die unter zusätzlichen Einfluss der Vulkanwolke in letzter Konsequenz zu seinen Spontanbesuch bei mir führten. Zum Glück gewöhnen sich meine Mitbewohnerinnen langsam an meine deutschen Freunde und so waren sie nur mäßig verwirrt, als ich ich die plötzliche Ankunft eines Bekannten meinerseits ankündigte.

Leider zeigte sich das Wetter nicht gerade von der besten Seite. Aber als wetterfeste Deutsche machten wir trotzdem die obligatorische Stadtbesichtigung. Zwar war 1.Mai. Doch wie es schien, ließen sich die Genfer Geschäftsleute und Bewohner ließen durch den Tag der Arbeit von ihrer Lieblingsbeschäftigung Shoppen abhalten.  Die Geschäfte waren offen und die Einkaufsstraßen wie immer gefüllt. Allerdings, als wir uns gerade von der berühmten  „Jet d’eau“ nass gesprizt lassen hatten (ein Muss, dass jeder Genf Besuche über sich ergehen lassen muss), hörten wir etwas weiter weg Musik und Rufe durch Lautsprecher. Über die größte Seebrücke „Pont de Mont Blanc“ zog ein Demonstrationszug von Linksalternativen und Gewerkschaften. Von den Spektaklen angezogen, beeilten wir uns und sahen uns den bunt gemischten Haufen etwas näher an. Anscheinend sehen sich auch Linksalternative auf der ganzen Welt ein bisschen ähnlich. Obwohl die Demonstranten aus verschiedenen Nationen stammten, schienen sie alle ein vereinendes Merkmal zu tragen, so dass ich mich nicht gewundert hätte, sie auf einer deutschen Anti-Nazi-Demo wiederzutreffen. Zum ersten Mal kam ich mir auch nicht mehr under-dressed zwischen den Einheimischen vor. Außerdem wurden sie von mitreißenden brasialianischen Trommelrythmen und franzöischer Ska-Musik begleitet. Dadurch gewann meine Stadtführung deutlich an Pepp und ,da der Demonstrationzug ebenfalls quer durch die Innenstadt verlief, schlossen wir uns ihnen an.

Obwohl die Genfer Demonstranten über die großen Straßen und quer durch die gefüllte Einkaufspassage zogen, gab es kaum Polizisten zu sehen. Nachdem ich erlebt hatte, wie in Deutschland allein für eine Studentendemo große Polizeigeschütze aufgefahren wurden, war das ein sehr schönes und freies Gefühl. Die Shopper liefen einfach durch die ihre demonstrierenden Mitbürger hindurch und keiner schien Angst zu haben, dass irgendein Radikaler mit Steinen die teure Schaufensterauslage oder den neuen Sportwagen zerstören könnte. Anscheinend passiert es auch nicht in der Schweiz oder vielleicht sind die Menschen hier disziplinierter als in Deutschland. Auf jeden Fall braucht man sich hier nicht mit mehreren Sonderkommandos vor der demonstrierenden Bevölkerung abzugrenzen.

Das Ende fand der Zug in im „Parc de Bastille“, wo sich die Leute auf viele Stände und kleine Bühnen verteilten zu einen kleinen fröhlichen Volksfest. Andreas und ich tranken einen echten Mojito bei den Klängen von Salsamusik bevor wir aufbrachen, um uns auf Abendprogramm vorzubereiten.

Verfasst von: mirarossignol | 5. Mai 2010

Retour au pays

Nach einer langen Zeit der Stille, melde ich mich auf meine Blog zurück. Nach meinen erlebnisreichen Osterferien versuchte ich in meinen Leben wieder etwas Ruhe einkehren zu lassen, so weit das eine ERASMUS-Studenten möglich ist. Mein nächstes großes Abenteuer war die erste Heimreise nach Jena am letzten Aprilwochenende. Aus Kostengründen hatte ich mir ein billiges Europa-Special-Ticket gekauft. Trotz früher Planung bereits im Februar war nur eine Nachtfahrt als Sonderangebot übrig geblieben. Mein Zug verließ am Freitag, den 23.04. Genf um 20.15 Uhr und ich sollte nach ca. 13 h Fahrt Jena am nächsten Morgen erreichen. Nicht gerade komfortabel, da ich unter anderen 3 h in Frankfurt nachts am Bahnhof verbringen musste, aber für die erste Heimfahrt war ich bereit ein paar Strapazen auf mich zu nehmen. Aufgrund meiner freudigen Erwartungen verging die Zeit der Fahrt ziemlich schnell, Jedoch hatte ich keine richtige Gelegenheit zu schlagen. So erreichte ich Jena am Samstagmorgen etwas übernächtigt. Zeit zum Ausruhen hatte ich an diesen Wochenende allerdings nicht. Schon am Bahnhof wurde ich von einen überwältigenden Empfang begrüßt. Trutrun, Lolo, Kaka und Toto (Anmerkung: Ich habe Decknamen gewählt, um die verantwortlichen Personen in ihrer Privatssphäre zu schützen.) hatten für mich als Begrüßung den Bahnsteig mit bunter Straßenkreide in verschiedenen Sprachen beschrieben. Ein wirklich überwältigender Anblick. Da meine Name so selten ist, wussten dann wenigstens alle Jenaer, die am Samstag den Westbahnhof besuchten, über meinen Aufenthalt Bescheid.

Im weiteren verlief das Wochenende voller Wiedersehensfreude, Feiern, einen obligatorischen Lagerfeuer mit obligatorischen Grillen (schließlich kann ich meine Thüringer Herkunft nicht ganz leugnen) und war in Nu vorbei. Am Montag besuchte ich den eigentlichen Anlass meiner Heimreise, den Physikerball der Uni Jena, der dieses Jahr von meinen Kommilitonen ausgerichtet und gestaltet wurde.  Durch meinen Auslandsaufenthalt hatte ich mich geschickt aus der Affäre (frz. affaire, ein Hoch auf die neue Rechtschreibung, die das Sprachenwirwar in meinen Kopf noch konfuser macht) gezogen. So konnte ich den Abend einfach genießen, während meine Jahrgangskollegen Blut und Wasser schwitzen, ob alles glatt gehen würde. Aber ihr Sorgen waren unbegründet und sie können stolz sein, auf das Programm, das sie für diesen Abend entworfen haben (natürlich ist es besonders lustig, wenn man selbst Physik studiert und die Tücken des Studentenalltags kennt, aber auch für Nichtphysiker unterhaltsam).

Ein paar Bilder gitb es hier zu sehen: http://www.physik-jena.de/physikerball/index.php?section=galerie

Nach der letzten durchtanzten Nacht in der Heimat brachte mich der Zug wieder zurück nach Genf. Es war schon ein etwas merkwürdiges Gefühl die vertraute Umgebung zu verlassen und mich wieder in die Fremde zu begeben. Doch diesmal wartete ja zum Glück kein Neuanfang auf mich, sondern meine Mitbewohnerinnen und Freunde, eine Test in Superconductivity und nicht erledigte Französischhausaufgaben.

Verfasst von: mirarossignol | 19. April 2010

Les vacances de Pâques II

Je suis très désolée, dass ihr so lange auf die versprochene Fortsetzung meines Ferienberichts wartet musstet. Aber das Wetter ist schön hier in Genf und außerdem musste ich die Arbeit aufholen, die in der Zeit liegen geblieben ist. Hier geht es also weiter …

In Sion angekommen wartete auf mich und Tanja zuerst ein 4 km langer Fußmarsch zum Camping Platz. Leider konnte google.maps, dass sonst so allwissend scheint, keine öffentlich Verkehrsmittel angeben und so mussten wir uns ganz auf die eigenen Beine verlassen. Zum Glück war das Wetter strahlend schön und so hatten wir genügend Zeit unsere Umgebung zu bewundern. Die Stadt ist zwar die Hauptstadt vom Wallis, aber mit knapp 30.000 Einwohnern immernoch eine Kleinstadt. Dafür besitzt sie einen schönen mittelalterlichen Stadtkern voller enger, schattiger Gässchen und zwei nicht unbeeindruckende Burgen.

Der Marktplatz von Sion

Blick von der einen Burg hinüber zu anderen

Blick hinab in das Rhônetal

Dies alles wollten wir noch am Nachmittag erkunden. Deswegen versuchten wir uns zu sputen, auch wenn die Rucksäcke auf den Schultern immer schwerer wurden. Zu unserer großen Überraschung erreichten wir auf dem Weg zum Zeltplatz  hinter einer schweizerischen Kleingartensiedlung und einen Gewerbegebiet unvermutet ein kleines Naherholungsparadies. Es bestand aus einen großen Park mit zwei azurblauen Seen, Spielplätzen, einer Kletterwand, Minigolf, Tennis, Volleyball und am anderen Ende unseren Campingplatz. Dieses schöne Fleckchen Grün war an diesen Dienstag nach Ostern voll von Familien und anderen Erholungssüchtigen, die sich im Sonnenschein reckelten. Ich musste sehr an Goethes Osterspaziergang denken, denn noch ist das Grün spärlich und auf den hohen Bergen herrscht der alte Winter, in seiner Schwäche. Das einzige, was die Idylle trübt, ist ein Baustelle auf der gegenüberliegenden Seite des Sees. Aber nichts ist perfekt. Tanja und ich sind trotzdem hoch erfreut über unseren Glücksgriff.

Auf dem Campingplatz sind wir die einzigen echten Zelter. Ich glaube, wir waren deshalb eine kleine Attraktion, noch dazu, dass wir zwei junge Mädchen waren, die akzentfrei Deutsch sprachen. Der Rest wohnt als Dauercamper, im Wohnwagen oder Hütte. Doch wir bewiesen unser deutsches Zelterblut und errichteten stolz unsere Wohnstätte auf der sonst leeren Wiese – für mich kam das Gefühl von Sommerferien auf. Ich zig meine Schuhe aus und lief ich zum ersten Mal in diesen Jahr barfuß durch das Gras. Danach kurz ein Mittagessen im Sonnenschein und danach auf zu Stadtbesichtigung.  Zum Glück hatten wir erfahren, dass uns Bus und Bahn als Verkehrsmittel zu Verfügung stehen Auf dem Hinweg gingen wir noch einmal zu Fuß, gönnten uns aber für die Rückfahrt ein Zugticket. Am Abend gab es das erste Campingkocheressen des Jahres. Zwar nur eine Tütensuppe mit etwas zusätzlichen Gemüse – doch in der abendlichen Kühle war es ein kleiner Segen etwas warmes im Bauch und in den Händen zu haben. Nach der vielen Bewegung und noch von den Vortagen müde stiegen wir kurz nach den Einbruch der Dämmerung dick eingemummelt  in die Schlafsäcke und schliefen bald sehlig ein. Am nächsten Morgen wurde ich von Tanja schon früh gegen 8 Uhr geweckt. Wir hatten große Pläne. Da wir uns am Vortag Karten der Umgebung besorgt hatten, wollten wir einen der nahen Gipfel besteigen. Dafür war aber erst eine längere Anfahrt mit dem Bus auf 1500 m nötig, von wo aus wir die letzten 800 Höhenmeter selbst bestreiten wollten. Keine kurze Tour, deswegen mussten wir früh aufstehen. Draußen war es noch kalt und feucht. Zum Glück hatte Tanja die grandiose Idee das Müsli mit warmer Milch zu essen.

Frühstück mit vier Kleidungsschichten im ersten Sonnenschein des Tages

(Fortsetzung folgt)

Verfasst von: mirarossignol | 12. April 2010

Les vacances de Pâques I

Bermerkung: Der Artikel ist am Freitag, den 9.04.2010 enstanden

Ich liege auf einer Bank an einem türkisblauen See und genieße den Sonnenschein der warmen Aprilsonne. Der Himmel ist hellblau und fast wolkenlos. Nur um die schneebedeckten Gipfel der Berge im Hintergrund tummeln sich ein paar vereinzelte Wölkchen. Zu allen Überfluss an diesen klischeehaften Idyll zwitschern die Vögel und es weht ein milder Frühlingswind durch die Weiden. Nein ich liege nicht am Genfer See, sondern in Sion einer kleinen Stadt im Wallis oder französisch Vailais. Das Kanton ist berühmt für Käse, Wein, kleine Bergdörfer und Skipisten. Sion liegt im breiten Rhônetal, an den sich links und rechts die Weinhänge die Berge hinaufziehen. Es erinnert ein bisschen an die Rheingegend, nur dass sich die Gipfel bis zu 2500m erheben und noch schneebedeckt sind. Ein schöner Kontrast zur sonst noch eher grau-braunen Landschaft. Im Tal unten lädt die Sonne schon ein in kurzen Sachen spazieren zu gehen, während sich oben noch die Ski- und Snowboardfahrer tummeln. Aber dazu später mehr. Ich wollte ja ganz von vorne anfangen.

Das Nichtstun habe ich mir redlich verdient nach der vielen aufregenden und erlebnissreichen Zeit der letzten Tage. Denn pünktlich zu Ferienbeginn in Genf nahm mein ruhiges Leben hier ein jähes Ende. Es bahnte sich mein erster Besuch aus Deutschland an. Großzügig hatte ich vor meiner Abreise jeden meiner Freunde versprochen mich in Genf beehren zu können. Diese Einladung war durchaus ernst gemeint und natürlich freue ich mich meine Freunde aus der Heimat wiederzusehen. Allerdings kam es um Ostern zu einer sponatenen Besucherhäufung, die mit keiner Statistik zu erwarten war. Mein Zimmer ist nicht besonders groß und die Wohnung ist ebenfalls für nicht mehr als drei Personen als Bewohner ausgelegt.  Dennoch konnte ich Joe, Thommy und Tanja ihren Wunsch nicht abschlagen, als sie mich fragten, ob sie an Ostern vorbeikommen könnten. Zum Glück war meine Mitbewohnerin Goshia in die Heimat nach Polen gereist, so dass wir wenigstens ein Zimmer mehr zur Verfügung hatten. Auch Gaia war einverstanden meine deutsche Bande zu beherbergen und so stimmte ich zu ohne mir groß Gedanken darüber zu machen.

Als erste hatte sich Tanja gemeldet mit der ich zusammen in die Berge zum Wandern und Zelten fahren wollte. Später meldeten sich Thommy und Joe an, die beide zusammen ein paar Tage mit den Rucksack durch die Schweiz ziehen wollten und am Ende 2-3 Nächte bein mir einkehren. Doch vom schlechten Märzwetter heimgesucht, mussten sie gegen Kälte und Regen ankämpfen und entschlossen daher, mich schon eher als erwartet aufzusuchen. Nach den Strapazen der Reise erschöpft trafen sie am Mittwoch in Genf ein. Groß, rauh, schmutzig und verwildert betraten sie meine Wohnung und bereiteten der zarten, eleganten Gaia einen gehörigen Schrecken, als ob zwei Riesen aus den Wald zu uns gekommen wären. Zum Glück änderte sich der Eindruck, nachdem die beiden frisch geduscht und in sauberen Sachen erschienen, so dass sich unsere neue Wohngemeinschaft schnell aneinander gewöhnen konnte. Am Donnerstag erreichte Tanja Genf und damit war meine deutsche Wohnungsbelegschaft komplett. Um Gaia ein bisschen Ruhe zu gönnen, führte ich meinen Besuch in die schöne schweizer Natur. Allerdings zeigte sich Joe weniger begeistert, war er doch froh die Strapazen seiner letzten Wandertage überlebt zu haben. Thommy dagegen, dessen Energie unerschöpflich scheint, blühte neu auf und war hellauf begeistert.

Auf dem Salève, dem Hausberg von Genf  mit 1380 m eher ein kleiner Vorberg der Alpen (http://www.saleveautrement.ch/new/index.php)

Blick vom Salève Richtung Alpen

Blick auf Genf und der Genfer See mit Juragebirge im Hintergrund

Dank der Hilfe meiner Genfer Freunde, Alix, Chris und natürlich Friedie,  schaffte ich es alle Interessen unter einen Hut zu bringen.  So verbrachten wir 5 lange, aufregende Tage gemeinsam mit Osterspaziergängen im Schnee, Klavierkonzerte von Chris (Erasmusstudent aus Österreich) auf meinen alten Keyboard, den guten schweizer Essen und viel Trubel auf engen Raum. Ich danke immernoch meine Nachbarn und Gaia all das so heroisch ertragen zu haben. Die Zeit verging wie im Flug. Doch war ich nicht ganz unglücklich am Montag Thommy und Joe wieder verabschieden zu können, in der Hoffnung endlich wieder in Ruhe schlafen zu können. Aber das war nur der erste Tag meiner Ferien, den jetzt wollte ich mit Tanja nach Sion fahren. Wir hatten uns den Ort in einer kurzen Internetrecherche relativ zufällig ausgesucht ohne zu wissen, was uns dort außer einen Zeltplatz und wahrscheinlich ein paar Bergen alles erwarten würde. Schnell die Wohnung halbwegs auf Vordermann gebracht, der Rucksack gepackt, zogen wir los. Draußen lockte der warme Sonnenschein. Doch mein Kreislauf war noch nicht soweit und sehnte sich nach Schlaf und Erholung. Aber die Ferien sind kurz. Also stiegen wir in den Zug und ließen uns überraschen …

P.S. Vielen Dank an Thomas, der mir einige seiner Bilder für diesen Artikel zur Verfügung gestellt hat.

Dieses Bild zeigt die Hausbesetzer in meinen Wohnzimmer. Links hinter den Vorhang ist das Zimmer von meiner Mitbwohnerin Gaia und rechts die Kochecke. Wie man sieht, ist es kuschelig. Die Personen von links nach rechts: Chris am Keyboard, Joe auf dem Sofa, Friedie im Weg und Thomas am Laptop. Diese kleine Band sorgte für lustige Klänge und hier noch  einmal ein Dank an meine Nachbarn.

Verfasst von: mirarossignol | 21. März 2010

Alix in Wonderland

So langsam fange ich an feste Freunde in Genf zu finden. Eine davon ist meine lebensfrohe und heitere amerikanische Kommilitonin Alix, die es nach langen Reisen durch die ganze Welt am Ende nach Genf verschlagen hat. Hier beweist sie, dass es möglich ist Yoga, Veganismus und Teilchenphysik zu verbinden.
Wer einen Einblicke in die Welt eines echten Genfer Studenten gewinnen möchte, ein paar Bilder der Stadt und meiner Kommilitonen sehen oder mehr über die Freuden und Tücken des Lebens eines Veganers erfahren, der kann auf ihrer Internetseite nachsehen:

http://alixnwonderland.wordpress.com/

Verfasst von: mirarossignol | 21. März 2010

Un air d’ête

Diese Woche hat Genf für kurze Zeit seinen Bewohnern einen Einblick auf das Gefühl von Sommer gegeben. Nach den kalten Tagen der vorherigen Woche, die durch einen kalten Alpenwind verursacht werden, der mit dem poetischen Namen „la bises“ betitelt wird, wechselte das Wetter in der Mitte der Woche plötzlich zu lauwarmer Frühlingstagen. Von den ersten warmen Sonnenstrahlen des Jahres gepackt, zog es alle Genfer nach draußen. Die sonst so geschäftige Stadt machte eine kleine Pause und versprühte leicht mediterranen Charme. Die schwarzen Mäntel auf den Straßen wurden weniger. Doch dafür fühlten sich die Straßencafés mit Menschen. Selbst die Parks wurden besiedelt, obwohl das erste grün noch auf sich warten lässt und nur ein paar Frühblüher auf den Wiesen tapfer den Eindruck von Frühling vermitteln. Selbst am Abend sind die Tische auf den Bürgersteigen vor den Kneipen und Bars noch mit Wagemutigen besetzt. Auch ich genieße den ersten lauen Abend bei einem Aperitivo zusammen mit zwei Italienerinnen, die mit mir gemeinsam versuchen die Hürden der französischen Sprache zu meistern. Natürlich haben die beiden eine etwas andere Vorstellung von Frühlingsnächten als ich und tragen noch dicke Wintermäntel und ich muss gestehen, dass nach einiger Zeit an der frischen Luft ich mir auch einen solchen gewünscht habe.
Doch in den Mittagsstunden genügt ein T-Shirt vollkommen aus, um in der warmen Sonne zu sitzen und seine Mittagspause zu genießen. Das machen die Genfer Studenten mit großer Wonne. Für die Gebäude des Departemants der Naturwissenschaften gibt es nicht nur eine Caféteria, sondern wie ich letzte Woche feststellen konnte, auch eine Gemeinschaftsküche und einen dazugehörigen Aufenthaltsraum. Dort stehen alte Sofas, Tische und Stühle herum. Die Wände sind bunt bemalt. Es gibt eine ganz gute Stereoanlage und ein paar Spiele liegen herum. Alles in allen erinnert es mich sehr an einen alten Schulclubraum, den wir einst in der Spezi hatte. In der Küche herrscht zur Mittagszeit reges Treiben, weil verschiedene Personen auf einmal versuchen zu kochen. Zum Glück gibt es genug Töpfe, Geschirr und Besteck, sowie eine unübersichtlich große Anzahl von Gewürzen; sogar einen Kühlschrank und einen Schrank für Allgemeingüter. Ich stehe da und staune. Dabei denke ich mir einmal wieder, dass die Schweizer gar nicht mehr bemerken, wie gut es ihnen geht.
Zur Feier des Sonnenscheins haben die Studenten und Mitarbeiter ihre gemeinsame Mittagstafel nach draußen verlegt. auf dem Hof steht ein lange Tisch, auf dem verschiedene Speisen herumgereicht werden. Ab und zu muss ein neuer Stuhl dazugestellt werden, aber nur wenige scheinen Lust zu haben wieder zurück an die Arbeit zu gehen. Denn wie es sich für eine französisch geprägten Kultur gehört, nimmt man sich Zeit seine Mahlzeit zu genießen.

Das war der erste Hauch des Sommers, der die Stadt für kurze Zeit ergriffen hat. Jetzt ist der Himmel wieder grau und trüb. Es regnet zu Weilen und die schwarzen Mäntel sind auf die Straßen zurückgekehrt. Unsere Bergwanderung müssen wir leider auf das nächste Wochenende verschieben und beim Joggen werde ich ordentlich nass geregnet. Aber in den Köpfen bleibt die Vorfreude auf die warme Jahreszeit.

Verfasst von: mirarossignol | 4. März 2010

Étudier á l’international

Welch einen besseren Ort kann es geben um Freundschaften zu schließen als eine alte Bibliothek voller dicker, verstaubter Physikbücher? Jedes Gespräch ist eine willkommene Abwechselung von der schweren Lektüre, die man hier konsumiert. Da die Studentenzahl hier so gering ist, kennt man sich bald. Die Bibliothekarin zeigt sehr viel Gelassenheit im Umgang mit ihren Besuchern und erlässt die sonst vorherrschenden Gebote, die in solchen Räumen sonst gelten. Man darf trinken, essen und reden so viel man will.
Da die meisten meiner Kommilitonen bald eine Prüfung in Astronomie bevorsteht, hatte ich in den letzten Tagen das Vergnügen sie beim gemeinsamen Lernen beobachten  zu können. Ich möchte mit diesen kleinen Studien gewagte Schlüsse über das unterschiedliche Temperament von verschiedenen Nationen schließen.

In Deutschland fühlte ich mich meist  schon beim Betreten einer Bibliothek als Störenfried, der durch die Geräusche seiner Schritte die Stille des konzentrierten Arbeitens zerstört. Gespräche nur flüsternd (ich habe mich immerhin bemüht 😉 ), zu Bekannten nur ein kurzes Nicken.  Besonders in der kleinen Zweigstelle meines Instituts, in der selten mehr als 5 Leute sitzen, herrschte meist Totenstille. Hier dagegen wird jeder Neue schon beim Betreten freudig begrüßt und mit „Ca va?“ nach seinem Befinden gefragt. Auch die Lernatmosphäre ist deutlich lockerer. Es vergehen kaum 5 min ohne dass jemand anfängt eine Geschichte zu erzählen oder eine Frage zu stellen. Während meiner gestrigen zwei Stunden erfuhr ich die halbe Lebensgeschichte einer amerikanischen Kommilitonin, konnte ihre Yoga-Vorführung zwischen den Bücherregalen bewundern, erlebte das Verstecken von rohen Eiern zwischen QM- Büchern und hörte ungefähr tausend Flüche über die Unsinnigkeit Astronomie als Pflichtfach einzuordnen. Nach dieser Zeit, in denen ich vor meinen Blatt gesessen hatte, Skript gelesen, ein paar Notizen gemacht und das Vorgehen beobachtet, kam ich mir mit meinen deutschen Gemüt sehr gesetzt, pflichtbewusst und zielstrebig vor. Ein schönes Gefühl. Ein Gefühl, das ich zwischen meinen deutschen Kommilitonen nur selten erlebt habe. Verglichen zu ihrer Arbeitsweise war ich mir häufig übermäßig aufgeweckt vorgekommen und zweifelte nicht selten  an meinen Arbeitsstil. Doch jetzt wurde mir bewusst, dass mir nur die richtigen Vergleichspartner gefehlt haben.
(Sogar nach dem Verlassen der Bibliothek ist ein Unterschied erkennbar. Auf den großen Gemeinschaftstisch liegen bunt durcheinander Schmierblätter verteilt, die Stühle stehen im Raum herum und die Bücher stehen auch nicht mehr ganz so gerade im Regal.)

Verfasst von: mirarossignol | 2. März 2010

Mon deuxième week-end

Am Samstag besuchte ich F. a.k.a. „hommes de pais“  in seiner neuen Behausung. Zwar wohnt er in einer nur spärlcih eingerichteten Neubauwohnung. Aber die Aussicht von seinen Dachgarten ist einfach wunderbar. Weil die Schweizer ein Natur liebendes Völkchen sind, haben sie nämlich nicht nur viele Grünflächen und Parks in ihren Städten, sondern bepflanzen sogar die Dächer ihrer Hochhäuser mit Bäumen und Sträuchern. F. besitzt zu allen Überfluss sogar ein Swimmingpool auf seinen Dach. Wer es nicht glaubt, kann bei google.street view nachsehen.

F. wohnt auf den anderen Seite der Rhone, die die Stadt in zweit Teile aufspaltet, nicht weit vom UNO-Gebäude. Zwar herrscht in Genf Wohnungsmangel. Aber für Pracht- und Prinkbauden ist immer genung Platz da.

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Da es in der letzten Woche häufig geregnet hatte, hatte ich nicht viel Zeit draußen verbracht, sondern mich mehr in der Bibo oder zu Hause aufgehalten. Aber heute lockte mich die Frühlingssonne hinaus. Ich beschloss Joggen zu gehen, unbeeindruckt von den kurzen aber heftigen Schauern, die immer wieder die Sonnenscheinphasen störten.
Vor meinen Ausflug musste ich allerdings noch Wäsche waschen. In der Schweiz eine komplizierte Angelegenheit, weil nicht jede Wohnung einen eigene Waschmaschine besitzt, sondern das ganz Haus sich einen Waschraum mit Waschmaschine teilt. Man ist dann nur zu bestimmten Waschzeiten berechtigt diesen zu benutzten und wird auch angehalten, diese möglichst einzuhalten. Die Bezahlung wird mit Münzen oder wie bei uns mit einer Waschkarte durchgeführt. In besonders komplizierten Fällen gibt es für den Waschraum noch einen speziellen Schlüssel, den sich die Nachbarn dann gegenseitig übergeben müssen. Zum Glück war ich durch ein Buch „Schweiz für Anfänger“ schon gut über das Waschproblem informiert worden, und hatte mich schon darauf eingestellt. Am Wochenende gibt es freie Waschzeiten, die jeder nutzen kann, wenn die Maschine frei ist. Da ich am Mittwoch (unseren Waschtag) nicht dazu gekommen war, wartete ich gebannt auf eine freie Waschmaschinezeit. Gehorsam wartete ich auch das Ende der Wascgzeit ab, um die Maschine möglichst bald wieder leer zu räumen, damit der Ruf der Deutschen von meinen schweizer Mitbewohnern nicht geschmälert wird.  Ehe ich mich versehen hatte, war es schon früher Abend geworden. So machte ich mich erst in der leichten Dämmerung auf die Weg. Ich wohne nahe am Stadtrand und an der Arve also eine ideale Gegend um Joggen zu gehen. Doch kaum 10 min unterwegs erwischte mich ein heftiger Schauer, der mich innerhalb von Minuten durchweichte. Das konnte meine Lauffreude allerdings nur wenig schmälern, weil die Bergen im Hintergrund von der Abendsonne angstrahlt goldrot glänzten. Einen derart schönen Sonnenuntergang hatte ich seit meinen Tagen auf Skye im Sommer nicht erlebt. Da ich bein Joggen meine Kamera nicht bei mir trug, müsst ihr euch jetzt mit einen Vergleichsbild von Skye genügen.

Motiviert lief ich weiter durch mir noch unbekannte Straßen. Seit ich eine Woche mit den Fahrrad unterwegs bin, hat sich mein Vertrauen auf meine Orientierungssinn gesteigert. Allerdings hatte ich meine Fähigkeiten etwas überschätzt. Im Glauben ein Abkürzung durch ein Wohngebiet von Villen finden zu können, bog ich von der Hauptstraße in kleine Nebengasse, die links und rechts von riesigen Hecken begrenzt wurden. Zwischen diesen Sichtschutz wurde ab und zu die Sicht auf ein hochherrschaftliches Haus mit breiter Einfahrt frei. Doch bald hatte ich mich zwischen den vielen Hecken und Ecken, die alle gleich aussahen hilflos verlaufen. Zu allen Überfluss wurde es dunkel in den Straßen, die nicht einmal mehr beleuchtet waren. Zwar ist Genf eine reiche und somit bestimmt auch sichere Stadt. Dennoch stieg in mir ein mulmiges Gefühl auf. In diese Villenlabyrinth könnte ich noch ewig herumirren. Doch zum Glück erspähte ich in der Ferne ein paar Straßenlaternen einer größeren Straße und fand mich bald an einer Busshaltestelle wieder. Ich fragte einen Pasaneten um Auskunft und muss wohl sehr herzerweichend in meine pitschnassen Sachen ausgesehen haben. Obwohl er kaum älter als ich war, bat er mir an ein Busticket zu kaufen. Doch so weit wahr ich von meinen zu Hause nicht entfernt uns so versuchte ich es auf eigenen Füßen.  Bald wieder auf bekannten Wagen fand ich mein Ziel sicher wieder und ein kleiner Stein fiel mir dabei auch vom Herzen.
Die Nachwehen meines kleinen Ausflugs bekam ich am folgenden Montag gehörig zu spüren. Jeder Schritt ein Überwindung, endloser Hunger und Müdigkeit. Doch zum Glück gehen auch solche Tage vorbei.

Verfasst von: mirarossignol | 18. Februar 2010

Mon premiers message á Genève

Hallo Welt,

schon ist eine Woche vergangen seit dem ich das kleine Jena verlassen habe. Die Zeit vergeht wie im Flug und dennoch erscheint es mir, als wäre es schon lange her.  In wohne in einer WG nicht weit der französischen Grenze in Thonex, einen Vorort von Genf.  Ich teile meine Wohnung mit zwei anderen Studentinnen:  Gaia, die ortsansässige Genferin, und Gosia, eine polnische ERASMUS-Studentin. Dank der liebevollen Pflege von Gaia um ihre Schützlinge aus der Fremde habe ich mich schon gut eingelebt. Mittlerweile kenne ich auch meine Umgebung ein bisschen und finde allein mit dem Fahrrad den Weg zur Uni durch die fremden Straßen.

Obwohl Genf weniger als 188.000 Einwohner hat, wirkt es sehr viel größer und weltmännischer als das gute, alte Jena. Auf der Straße spricht man außer Französisch auch selbstverständlich Englisch oder Italienisch. Man trägt französische Mode, so dass ich mir in meinen typisch deutschen Klamotten ein bisschen under dressed vorkomme. Aber für das richtige Outfit fehlt mir wohl das nötige Kleingeld.  Zum Glück studiere ich Physik. Denn selbst ein Genfer Physiker schert sich nicht, um modische Kleidung, sondern bevorzugt es sich praktisch und einfach anzuziehen.

Wie ich feststellen konnte, gibt es in der Physik verschieden Erhaltungssätze, von denen ich im Folgenden einige erläutern möchte.

@ all non physiscist: Keine Angst! Ich werde es nicht zu theoretisch erklären.

  1. Die Gebäude eines (universitären) Physikinstitut sind immer alt ehrwürdig und schon länger nicht mehr renoviert worden. Drinnen hängen lauter Poster den jeweiligen Arbeitsgruppen, die zwar keiner liest, aber den Gängen einen moderneren Charakter verleihen sollen. Die Zimmer sind zu Laboren umgebaut, in den chaotisch alle möglichen Messgeräte, Kabel und sonstiges Werkzeug herumliegt. Wenn man genau hinschaut, sieht man vielleicht irgendwo ein paar Flaschen Bier (oder hier eher Wein) hinter einen Schrank stehen.
  2. Auch die Bibliothek ist möglichst alt, voller hoher Regale, die mit Büchern voller bedeutsamer Titel gefüllt sind. Die meisten dieser Bücher werden aber weniger als einmal pro Jahr aus dem Regal genommen. Zwischen den Bücherreihen gibt es versteckt hinter ein paar Ecken, Arbeitstische, an denen sich fleißige Studenten zusammensetzen und gemeinsam Wissen zu konsumieren. Sogar die Bücher sind im großen und ganzen die gleichen. Standwerke wie den Haken-Wolf gibt es sogar auf deutsch und den Cohen-Tanoudji natürlich in seiner Orginalsprache französisch.
  3. Egal in welcher Umgebung, ein Physiker sorgt sich nicht zu viel um sein Aussehen; selbst in Genf, in dessen Straßen man sonst nur kaum normale Straßenkleidung zu sehen bekommt. (Ich möchte hier zur Ehre einiger meiner Kommilitonen erwähnen, dass es natürlich auch Ausnahmen von dieser sehr heuristischen Regel gibt.)
  4. Es gibt einen gut frequentierten Kaffeeautomaten mit wunderbar hässlich braunen Kaffeebechern, der hier allerdings außer Instantkaffee auch Ovomaltine zum Trinken anbietet.
  5. Das bevorzugte Verkehrsmittel eines Physikers, zu mindest während seiner Studienzeit, ist das Fahrrad.

Aufgrund dieser Erhaltungssätze kam ich mir bei meinen ersten Besuch in dem physikalischen Institut der UNIGE schon sehr vertraut vor. Nur die fremde Sprache störte ein bisschen das bekannte Bild. Aufgrund der geringen Studentenzahl sind die Kurse viel kleiner und finden alle in Seminarräumen statt, die nicht mal zu einen Viertel besetzt sind. Zählt man die Austauschstudenten nicht mit, so hat mein aktueller Jahrgang weniger als 10 Kommilitonen. Deshalb ist das Verhältnis zwischen den Professoren und den Studenten viel intimer. Außerdem habe ich nur das Glück sehr lebhafte und bewegungsfreudige Dozenten zu haben, die mit großer Begeisterung versuchen ihr Fachgebiet uns näher zu bringen.

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